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Jahresrückblick 2013: Libyen

tripolis miliz autoserschienen bei chartophyleikon tou polemou

Für Libyen ging das Jahr 2013 praktisch ohne Veränderungen über die Bühne. Das geteilte Land mit einer schwachen Zentralmacht war das ganze Jahr über damit beschäftigt, eine gewisse Balance zwischen Tripolis und den verschiedenen Regionen des Landes zu etablieren. Ungeachtet unverhohlen separatistischer Tendenzen, die traditionell von der Kyrenaika ausgingen, ist die Einheit des Landes nach wie vor Konsens der verschiedenen Kräfte in Libyen.

Das Abflauen des Interesses der Medien an Libyen war einerseits durch die Übersättigung mit Informationen im Zuge der wichtigsten Ereignisse im Land bedingt, andererseits ist der Westen direkt daran interessiert, dass das “libysche Thema” abgeschlossen wird. Zu deutlich ist der Kontrast zwischen den deklarierten Zielen seiner Intervention in den inneren Konflikt in diesem Land und den wirklichen Ergebnissen des Sieges der Rebellion, des Bürgerkriegs und der Intervention.

Damit kann man wohl begründen, dass die Nachrichten aus Libyen bruchstückhaft und an konkrete Ereignisse gekoppelt von dort zu uns drangen, so dass es kaum möglich ist, die Prozesse, die derzeit in Libyen ablaufen, auch nur annähernd objektiv zu verstehen.

Vor einem solchen Hintergrund ist die Einheit des Landes, das de facto in einzelne Territorien zerfällt und unter der Kontrolle vollkommen verschiedenartiger Kräfte und Gruppierungen steht, nicht ganz verständlich. Im Schatten bleiben nämlich die Stabilisierungsfaktoren, welche noch eine Somalisierung und Balkanisierung Libyens verhindern.

Misrata ist heute eine eigenartige, quasi selbständige Handelsrepublik, die von Händler-Clans regiert wird

Es mag seltsam erscheinen, aber eines der wichtigsten Machtzentren – die Hafenstadt Misrata – ist ungeachtet aller erdenklichen Boni, welche die Elite dieser Stadt aus der Zerschlagung der Dschamahirija ziehen konnte – gerade einer der Faktoren, die einen Zerfall des Landes verhindern. Möglich, dass das als ein Paradoxon erscheint, aber es gibt durchaus logische Erklärungen dafür.

Zum heutigen Tage ist Misrata die einzige libysche Stadt, die sich vollständig von den Folgen des Bürgerkriegs erholt hat, welcher sie schwer betroffen hatte. Die Kampfhandlungen der Gaddafi-Armee und der Freischärler von Misrata betrafen zwar vergleichsweise wenige Stadtgebiete, doch die Folgen des Krieges sahen hier direkt nach dessen Ende nicht weniger schockierend aus als die Ruinen von Sirte und Bani-Walid.

Inzwischen ist Misrata eine blühende und vollkommen friedliche Stadt, in der es praktisch keine Probleme mit der Sicherheit gibt; es gibt Arbeit und ganz allgemein ist die Lage hier vollkommen anders, als in allen übrigen libyschen Städten.

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Libyen: nun geht es gegen Zintan

von John Schacher

Das Elend in Libyen nimmt kein Ende und wird nicht enden, bis die Jamahiriya wieder in Kraft tritt oder der letzte freie Libyer getötet wurde. Nach dem blutigen Massker in Bani Walid, wo sogar das Krankenhaus komplett ausgeraubt, alle Patienten und zumindest ein Arzt ermordet wurden, zieht die Misrata-Miliz mit der Unterstützung der „Regierung“ nun offenbar in den Kampf gegen das bisher recht stabile Zintan.

Misrata wurde von Katar mittels dem Frachter „Mar del Amazonas“ vor kurzem fürstlich mit gemeldeten 481 nagelneuen gepanzerten Kampfwagen eines noch unbekannten Herstellers ausgestattet, die in den nun kommenden Kämpfen als leichte Schützenpanzer fungieren sollen (Bilder).

In Tripolis äusserten sich die Zerwürfnisse zwischen Zintan, Misrata und der US-Marionetten-„Regierung“ bereits wie  berichtet seit dem letzten Wochenende in Form größerer Schießereien und Anschläge. Auch die Blockierung der Raffinerie in Zawia seitens unbezahlter verwundeter Rebellen aus dem Bürgerkrieg, die für eine große Benzinknappheit sorgt – steht im Fokus aktueller Ereignisse. Misrata soll sich der Hilfe von Berberstämmen aus den Nafusa-Bergen versichert haben, nachdem im Großraum Tripolis lebende Berber aus Zintan von den Arabern aus Zintan attackiert worden sind.

Eine große Kolonne motorisierter Kampfeinheiten aus Misrata hatte sich bereits vor einiger Zeit in den Süden begeben und dabei das von Zintan kontrollierte Gebiet unauffällig durchquert. Ihr Ziel war bis jetzt unklar. Nun sind diese Einheiten bei Ghadames aufgetaucht, wo wichtige Ölfelder (Ghadames und Ubari) liegen, deren Erträge eben genau in der Raffinerie Zawia verarbeitet werden. Misrata hat auch in der Gegend um Ghadames lebende Araber-Stämme bestochen, sich gegen ihren bisherigen Verbündeten Zintan zu stellen und liegt nun strategisch im Rücken von Zintan, dem man offiziell vorwirft, geflüchteten Jamahirya-Kämpfern aus Bani Walid Unterschlupf zu gewähren, darunter al-Waer, dem Kommandanten der Verteidiger. Die Ähnlichkeit der staatlich geäusserten Begründung für die Agression gegen Bani Walid ist groß…

Zintan verfügt nur über rund 100 Panzer, während Misrata über 700 schwere Kampfpanzer hat. Die Nachschubroute für Misrata ist jedoch eine sehr lange im Vergleich zur Aktion Bani Walid. Zintan verhandelt derzeit mit den Banditen von Garyan über die Freilassung der dort befindlichen Warfalla-Stammesältesten.

Bilder der sinnlosen Zerstörungswut in Bani Walid:



Libyen: Bani Walid vor neuer Belagerung

von John Schacher

Auf Bani Walid kommen offenbar schon wieder schwere Zeiten zu. Entgegen den offiziellen Äusserungen der Regierung, dass keinerlei feindselige Aktionen gegen die Wüstenstadt geplant seien, werden von Misrata ausgehende erhebliche Truppenbewegungen gemeldet, die sich in Richtung der Warfalla-Hauptstadt bewegen.

Es handelt sich um eine Kolonne von 42 Panzern, schwere Artillerie sowie Grad-Raketenwerfer-Trucks. Ein TV-Sender aus Misrata meldete dies „offiziell“. In Bani Walid herrscht bereits höchste Alarmstufe und die Stadt bereitet sich fieberhaft auf ihre Verteidigung vor. Diesbezüglich wurde die Ankunft von Oberst Abdelssalem Waer (Bild) in Bani Walid bekanntgegeben. Der Misrata-Angriff wird für den 5. Oktober vermutet.

Als Ursache der neuerlichen Agression wird der Tod eines der am grausamen Mord an Muammar al-Quadhafi beteiligten Söldner angegeben, der kürzlich seine Strafe erhielt und dann in Paris an den Folgen seiner Verletzungen verstarb (wir berichteten). Bani Walid wird derzeit bereits verkehrstechnisch blockiert, um Nachschub an Lebensmitteln und Versorgungsgütern zu unterbinden. Auch Wasser, Elektrizität, Internet etc. sind bereits abgeschnitten worden, wie wir es aus der Kriegszeit 2011 kennen. Nur der Flughafen und einige Gebiete des Stammes Almnash haben noch Strom.

In Tripolis kam es am vergangenen Freitag zu heftigen Gefechten unter den „Rebellen“-Fraktionen: 230 Fahrzeuge hatten den Distrikt von Ali Fatih angegriffen. 53 Tote, 23 Verletzte, 7 gefangene Söldner und 9 erbeutete Fahrzeuge waren die Folge. Die Reste der erfolglosen Angreifer flüchteten.

Der von einigen Medien gemeldete Tod von Mustafa Abdel Jalil ist leider eine reinrassige Ente. Jalil soll wegen eines Leistenbruches in Deutschland behandelt werden.

Abdullah al Senussi erlebt gerade die wohl schwerste Zeit seines Lebens: die NATO-Ratte Khaled Sherif, Chef der Nationalgarde ist verantwortlich für die Verhöre und Folterungen des Sicherheitschefs der Jamahiriya. Wo sind nun die Menschenrechtler, Ärzte ohne Grenzen, Amnesty etc., um einem Mann, der nur sein Heimatland verteidigt hat, zu helfen?

Diskriminierung und Barbarei: 35.000 vom Krieg vertriebene Flüchtlinge schwarzer Hautfarbe leben heute im Flüchtlingslagern unter kompletter Isolierung von der Aussenwelt:



 

Libyen: Grüner Widerstand zeigt sich

Libyen soll nicht zerbrechen

von John Schacher

Baghdadi al-Mahmoudi, der Generalsekretär des großen Volkskongresses der libyschen Jamahiriya, steht seit zwei Wochen im Hungerstreik und nähert sich dem Tode.

Am 8. März hatte der Anwalt des 70-jährigen Mahmoudi gewarnt, dass die Gesundheit seines von Tunesien derzeit rechtlich als Geisel gehaltenen Klienten sich seit der zweiten Woche seines Hungerstreiks sehr verschlechtert habe. Er nehme zwar noch seine Diabetes-Medikamente, sei aber bereits sehr geschwächt, berichtet Mathaba.

In Trípolis fliegen Helikopter niedrig über der Region Elkhadra Elhadaba. Eine große Anzahl von Rebellen versammelt sich und blockiert die Hauptstrassen wegen ihres noch immer ausstehenden Soldes.

Bengasi wurde heute morgen gegen 3:40 von zwei Explosionen im Gebiet Hadjaz Street erschüttert.

In Tobruk herrscht Spritmangel wegen einem seit drei Tagen andauernden Streik der Tankstellen-Angestellten.

Misrata: bewaffnete Kämpfer des Grünen Widerstandes machen sich auf den Weg nach Misrata, um die Bestien von NATO-NTC zu vertreiben, sagt die Filmbeschreibung:


Quelle: libia-sos.blogspot.com


RT-Interview mit dem French Center of Intelligence Studies zur Teilung Libyens: