Schlagwort-Archiv: Krieg

Indianerleben – Krieg und Frieden

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg
Als ich die Chorotis und Ashluslays im Jahre 1908 besuchte, herrschte zwischen diesen beiden und den Mataco ein sehr gespanntes Verhältnis.

Die Chorotis und Tobas waren ebenfalls keine Freunde. In welchem Verhältnis die Ashluslays zu den Tobas standen, weiß ich nicht, da ich die Gegenden, wo diese Stämme aneinandergrenzen, in diesem Jahre nicht besuchte.

1909 war die äußere politische Lage verändert. Die Chorotis und Ashluslays hatten mit den Matacos Frieden geschlossen. Dagegen lebten die Ashluslays mit den Tobas in erbitterter Fehde. Die Ursache der Kriege zwischen diesen Stämmen ist gewöhnlich der Fischfang und die Plünderungssucht. Ein Stamm sperrt den Fluß ab, so daß die Fische nicht zu den Fischplätzen des anderen hinaufkommen können. Dieser versucht die Sperre zu zerstören, einer der Stämme verwundet oder tötet einen von der Gegenpartei, und der Krieg ist in vollem Gange.

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Deutsche Mythologie – Das Erforschen der Zukunft

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

Als Mittel zur Erforschung des göttlichen Willens bei den Deutschen nennt Cäsar „Losorakel und Prophezeiungen (sortes et vaticinationes; b. g. 150), Tacitus „Götterzeichen und LosorakeV1 (auspicia et sortes, Germ. 10). Beim Los wurde die Gottheit nach ihrem Willen gefragt, im anderen Falle erfuhr man ihn aus gewissen Vorzeichen. Die Wahrsagekunst scheint mehr Aufgabe der Frauen gewesen zu sein, Los und Weissagung stand jedem freien Manne zu; nur bei Angelegenheiten, die den Staat betrafen, lagen sie in der Hand des Priesters. Im häuslichen wie im öffentlichen Leben aber waren sie mit Gebet und Opfer verbunden. Los (ahd. kluz, got. hlauts) ist das, mit dessen Hilfe geweissagt wird, -das Opferblut; Losen (ahd. hliozan) bedeutet aus Zeichen oder durch Werfen bezeichneter Gegenstände und deren Fallen weissagen oder bestimmen, und dann überhaupt das Schicksal befragen.

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Der Krieg

Textübersetzung aus dem Kunstmuseum Hamburg

WENN WIR IM FOLGENDEN über den Krieg handeln, so wird uns vor allem interessieren, welche Stellung unsere Gegenwart ihm gegenüber einnimmt, und ferner was solche Stellungnahme etwa für die Zukunft des Krieges bedeuten könnte.

In solcher Hinsicht ist mir nun heute von jeher nichts bemerkenswerter gewesen, als das schroffe Aburteil Leo Tolstois und des modernen Sozialismus, die sich nicht scheuen, den Krieg als einen Mord zu bezeichnen.

Ich sage nicht zuviel, wenn ich ausspreche, daß mich dieses Aburteil, als ich ihm zum erstenmal begegnete, erschreckt hat; ja, daß ich es geradezu als eine frevelhafte Blasphemie empfand. Es begreift sich indessen Erscheinungen wie Tolstoi und dem modernen Sozialismus gegenüber von selbst, daß man sich von einer so schroffen, ja viel-leichtsogar furchtbaren Form solchen Aburteils nicht verleiten lassen durfte, es von der Hand zu weisen, ohne zuvor seiner eigentlichen Meinung und den Ursachen seiner Formulierung auf den Grund gedrungen zu sein.

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Was will Putin? Eine grundlegende Analyse von Rostislav Ishchenko

poro putinerschienen bei saker

Vorwort vom Saker:
Die folgende Analyse ist bei weitem die beste, die ich seit dem Beginn des Konflikts in der Ukraine gesehen habe. Ich habe schon früher regelmäßig Analysen von Ishchenko auf diesem blog veröffentlicht, weil ich ihn für einen der besten Analytiker Russlands halte. Diesmal aber hat Ishchenko wirklich ein Meisterwerk geschaffen: Eine umfassende Analyse der geostrategischen Position Russlands and eine klare und, so glaube ich, absolut genaue Analyse der gesamten “Putin Strategie” für die Ukraine. Ich habe immer gesagt, dass es in diesem Konflikt nicht um die Ukraine geht, sondern um die Zukunft des Planeten und dass es keine “neurussische” oder sogar eine “ukrainische” Lösung gibt, sondern nur das mögliche Ergebnis eines strategischen Sieges entweder Russlands oder der USA, das den gesamten Planeten betreffen wird. Ishchenko bietet einen hervorragenden Überblick über die Risiken und Optionen beider Seiten und bietet den ersten umfassenden “Schlüssel” zu dem scheinbar unverständlichen Verhalten Russlands in diesem Konflikt. Schließlich versteht Ishchenko auch voll die komplexe und subtile Dynamik in der russischen Gesellschaft. Wenn er schreibt “russische Macht ist autoritativ und nicht autoritär” trifft er ins Schwarze und erklärt in sieben Worten mehr als das, was Sie durch das Lesen der Milliarden unnützer Worte erreichen könten, mit denen sogenannte “Experten” versuchen, die russische Realität zu beschreiben.

Wir alle schulden Denis, Gideon und Robin immensen Dank dafür, dass sie diesen bedeutenden Text übersetzt haben, was _sehr_ schwer war. Der einzige Grund, warum wir ihn in so guter Ausführung lesen können ist, dass diese Freiwilligen zahlreiche Stunden damit verbracht haben, um eine so hochwertige Übersetzung zu schaffen, wie sie diese Analyse auch verdient.

Ich empfehle eindringlich, dass Ihr alle diesen Text aufmerksam lest. Zwei mal. Er ist es wert.

Der Saker

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was will Putin?

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von Rostislav Ishchenko

Quelle: actualcomment.ru

aus dem Russischen übersetzt von Denis, Gideon und Robin

Es ist erfreulich, dass die “Patrioten” das Versagen, den ukrainischen Truppen im Donbass im Januar und Februar eine vollständige Niederlage zuzufügen oder die Moskauer Konsultationen mit Merkel und Hollande nicht gleich Putin als Schuld anlasteten.

Dennoch erwarten sie immer noch ungeduldig einen Sieg. Die Radikalsten sind davon überzeugt, dass Putin NovoRossija sowieso aufgeben wird. Und die Moderaten fürchten, dass er das tun wird, sowie der nächste Waffenstillstand unterzeichnet ist (falls das passiert), weil er die Armee NovoRossijas umstellen und ausstatten muss (was man übrigens gekonnt hätte ohne die Kämpfe einzustellen), um sich auf die Umstände an der internationalen Front einzustellen und um sich auf neue diplomatische Schlachten vorzubereiten.

Tatsächlich ist die Situation im Donbass und in der Ukraine trotz all der Aufmerksamkeit der politischen und/oder militärischen Dilletanten (den Talleyrands und Bonapartes im Internet) lediglich ein Abschnitt der globalen Front; das Ergebnis dieses Krieges wird nicht am Donetzker Flughafen oder auf den Hügeln ausserhalb von Debaltsevo entschieden, sondern in den Büros der Präsidialverwaltung und des Aussenministeriums in Moskau sowie in Büros in Paris, Brüssel und Berlin. Denn militärische Aktionen sind nur eine der vielen Komponenten dieser politischen Auseinandersetzung.

Es ist die gröbste und letzte Komponente, die großes Risiko in sich birgt, aber die Angelegenheit beginnt nicht mit Krieg und sie endet nicht mit Krieg. Krieg ist nur ein Zwischenschritt, der die Unmöglichkeit eines Kompromisses aufzeigt. Sein Zweck ist es, neue Bedingungen zu schaffen, wodurch ein Kompromiss möglich wird oder um zu zeigen, dass nicht länger eine Notwendigkeit besteht, weil eine Seite des Konflikts nicht mehr existiert. Wenn es an der Zeit für einen Kompromiss ist, wenn die Kämpfe vorbei sind und die Truppen in ihre Kasernen zurückkehren und die Generäle beginnen, ihre Memoiren zu schreiben und sich auf den nächsten Krieg vorzubereiten, dann wird das wirkliche Ergebnis der Konfrontation festgestellt durch Politiker und Diplomaten am Verhandlungstisch.

Politische Entscheidungen werden nicht immer verstanden von der Bevölkerung und dem Militär. Zum Beispiel verwarf der preussische Kanzler Otto von Bismarck (später der Reichskanzler) im österreichisch-preussischen Krieg von 1886 die wiederholten Anfragen von König Wilhelm I (künftiger Kaiser) und die Forderungen der preussischen Generäle, Wien einzunehmen und er lag absolut richtig damit. Auf diese Weise beschleunigte er einen Frieden zu preussischen Bedingungen und stellte zugleich sicher, dass Österreich-Ungarn für immer (nun ja, bis zu seiner Auflösung 1918) ein Juniorpartner Preussens und später des deutschen Kaiserreichs sein würde.

Um zu verstehen, wie, wann und unter welchen Bedingungen militärische Aktionen enden können, müssen wir wissen, was die Politiker wollen und wie sie die Vorausetzungen für einen Kompromiss nach dem Krieg betrachten. Dann wird klar, warum militärische Aktionen in einen Bürgerkrieg niedriger Intensität mit gelegentlichen Waffenstillständen mündeten, nicht nur in der Ukraine sondern auch in Syrien.

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