Hexenmedizin

jo on Juni 3rd, 2010

Wetzrillen und Näpfchen, wie die an den Altarsteinen auf dem Hohen Hagen in der Nähe des Gaußturms, finden sich auch an Göttinger Kirchen. Bekannt sind die Rillen am Bilstein in Reinhausen, der unterhalb des ehemaligen Klosters an der Durchfahrtsstraße steht. Auch Kreuzsteine weisen solche Rillen auf. Über ihre Entstehung gibt es eine Reihe phantastischer Erklärungen, schreibt der aus Jühnde gebürtige Heimatforscher Joachim Jünemann. So sollen Kreuzritter vor dem Aufbruch ins gelobte Land ihre Schwerter an Kirchenmauern gewetzt oder geweiht haben. Die Rillen an Kreuzsteinen sollen von Invasoren herrühren, die dort vor dem Kampf ihre Säbel schärften. Als Verursacher werden je nach Region Kroaten, Franzosen, Schweden („Schwedenhiebe“) oder Russen genannt. Weniger blutrünstig ist die Erklärung, dass Bauern dort ihre Sensen und Sicheln nachschliffen.

Jünemann weist jedoch darauf hin, dass durch Reiben in einer Rille eine Klinge stumpf wird. Mehrere, parallel zueinander verlaufende Rillen wurden auch wegen ihrer Ähnlichkeit mit einer Tatzenspur dem Satan zugeschrieben („Teufelskralle“). Der Heimatforscher geht davon aus, dass dort Menschen – meist um Mitternacht – Steinmehl abkratzten, dem in der Volksmedizin ein heilender Effekt zugeschrieben wurde. Bereits in der römischen Antike wurde solches Mehl verwendet. Es sollte Augenfluss und Geschwüre kurieren. Menschen verwendeten es bei Zahnschmerzen, Fieber oder der Pest. Im Mittelalter verarbeiteten sie es teilweise mit Dachsfett zu einer Salbe. Jünemann zitiert aus Akten des Jahres 1608, wo die Obrigkeit gegen Menschen vorging, die „solchen Abgöttlichen zauberischen Narren- und Teuffelswerck nachhingen“.

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