Gaddafi
erschienen bei einartysken
von Einar Schlereth
„Hurrah, ein neuer Krieg!“ schreit Frankreichs Präsident nicht – das denkt er nur, während Frankreichs ‘Force de frappe’ (wörtlich Schlagkraft, aber die Luftwaffe ist gemeint) schon wieder in Afrika Bomben wirft. Und wo? Naja, hier und dort ein bisschen. In Somalia und kürzlich noch in der Elfenbeinküste und jetzt richtig schwere Angriffe in Mali.
Warum? Na weil man wieder mal sehr stark bedroht wird, hat der französische „sozialistische“ Ministerpräsident Hollande gesagt. Von den paar Millionen Menschen eines furchtbar armen Landes? Na ja, nicht direkt von denen. Sondern von den Al Qaida-Terroristen! Die Frankreich indirekt erst nach Mali gebracht hat. Im vergangenen Jahr nämlich waren diese Terroristen und die Franzosen noch enge Waffenbrüder und haben gemeinsam den „Diktator Gadddafi“ gestürzt – der im übrigen genau vor dem jetzt eingetretenen Fall gewarnt hat.
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| Französisches Kanonenfutter |
Nachdem die Terroristen in Libyen alles kurz und klein geschlagen und den Weg für die Big Oil Gesellschaften frei geschaufelt haben, hat man einen Teil dieser Banden nach Syrien geschickt, um Assad zu stürzen (auch so ein großer, schlimmer Diktator), und andere Teile der al-Qaida, die sich im Maghreb AQIM nennt und mit der libyschen Al Qaida LIFG verschmolzen ist, wurden im Süden über die Grenze nach Algerien abgedrängt, wo sie von den Algerien umgehend rausgefeutelt wurden und nach Mali abmarschierten. Dort hängten sie sich an eine Tuareg-Befreiungsfront, die seit Jahrzehnten für einen eigenen Staat kämpft, die man aber nach der Eroberung von halb Mali fallen ließ, weil sie nicht den ganz, ganz richtigen ultra-extremistischen Glauben hatten.
In dem nördlichen „befreiten“ Teil riefen die Terroristen gleich mal einen unabhängigen Staat aus mit der Shia als Grundgesetz und zertrümmerten auch gleich eine Reihe von Denkmälern, die auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes stehen.
Dies schien den Franzosen nicht in den Kram zu passen, denn Mali betrachten sie immer noch als ihr angestammtes Kolonialerbe, in dem man obendrein riesige Öllagerstätten gefunden hat. Und die hätte man doch gerne für sich allein. Also muss man eine „humanitäre Intervention“ veranstalten, mit dem Segen der UNO, der AFRICOM und der korrupten AU (Afrikanischen Union). Der Hintergedanke ist, die AQIM/LIFG aus Mali raus und nach Algerien rein zu bugsieren. Denn Algerien steht auch schon längst auf der Liste der AFRICOM, d.h. der US/NATO-Imperialisten. Da wäre es doch wirklich das Beste, wenn Al Qaida es nochmals versucht und sich in Algerien austobt und das Land ebenso destabilisiert wie zuvor Libyen und jetzt Syrien.
Doch von diesen banalen Dingen spricht man nicht. Man wirft sich lieber in die Brust und erklärt, dass man den Frieden wiederherstellen will, den rechtmäßig gewählten (Marionetten) Präsidenten schützen und die Demokratie retten will. Das hört sich doch viel besser an.
Siehe hierzu auch den sehr guten Artikel von Toni Cartalucci.
Quelle: einartysken
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Es ist kein Vergnügen zu protestieren, zu bitten, zu debattieren und unaufhörlich zu argumentieren.
Es ist kein Vergnügen immerfort erklären zu müssen, dass Quadhafi nicht gleichbedeutend mit “Terrorist” oder “Diktator” ist und keine Inkarnation des absolut Bösen war.
Es ist kein Vergnügen zu wissen, was wir alles wissen.
Es ist kein Vergnügen dauernd Informationen mitzuteilen, die von so vielen ignoriert werden.
Es ist kein Vergnügen permanent kritisiert, beschimpft, beleidigt oder sogar bedroht zu werden.
Warum machen wir es dann?
Wir tun es aus den gleichen Beweggründen, aus denen die Vordenker und Umwälzer vergangener Zeiten ihr Ding gemacht haben. Weil wir felsenfest daran glauben, daß unsere Sache gerecht ist, daß wir für die Wahrheit kämpfen. Weil wir felsenfest davon überzeugt sind, daß die Idee des Grünen Sozialismus funktioniert – dass jedes Land, jedes Volk das Recht hat frei und ohne Unterdrückung zu leben und der Tyrannei der sogenannten “Neuen Weltordnung” zu widerstehen.
Hans Cany, Green Guard Leader, International Green Charter Evolutionary Committees Movement
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von John Schacher
wie LibyaSOS soeben meldet, wurden die beiden gefangenen britischen TV-Reporter aus den Händen der Misrata-Rebellen erlöst und der Regierung übergeben. Nicholas Davies-Jones und Gareth Montgomery-Johnson waren von Misrata’s Saadoun-Swehli-Brigade drei Wochen lang gefangengehalten worden, kurz nachdem sie einen kritischen Bericht über das Massaker im Tawergha-Flüchtlingscamp Janzour veröffentlicht hatten.
Was Malta und Misrata da untereinander ausgeheckt haben und weiter aushecken, erschliesst sich der Welt wohl erst später. Nur soviel ist klar, dass diese unheilige und illegale Allianz mit einer Stadt über die Regierung eines Staates hinweg ein völkerrechtlicher Zwischenfall ist, der unbedingt untersucht und verhandelt werden sollte. Das sind ja Städtekriege wie in der Antike…
Hier noch ein Propagandabeispiel aus dem US-TV kurz nach dem Tode Quadhafis. Ein libyscher Metzger will sich nicht ergeben und stirbt von Behördenhand. Die “Heldin” unterwandert eine libysche Widerstandsbewegung..:
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Hier sind einige der Gestalten, die Libyen beherrschen wollen:
Übersetzung John Schacher
erschienen bei voltairenet
Der als Fotojournalist der Sunday Times vorgestellte Paul Conroy, der vor kurzem aus dem islamischen Emirat Baba Amr fliehen konnte, ist britischer MI6-Agent.
Auf diesem Foto kann man ihn in Libyen sehen (in blauer kugelsicherer Weste), zusammen mit den Al-Qaida-Führern al-Mahdi Harati (Mitte, schwarze Körperpanzerung) und Abdelhakim Belhadj (Flecktarn).
- Mahdi al-Harati heiratete eine Irin und lebte in Dublin. Paul Conroy ist aus Nordirland und wuchs in Liverpool auf.
- Laut dem ehemaligen Premierminister Jose Maria Aznar steht Mahdi al-Harati in Spanien immer noch wegen Beteiligung an den Attentaten in Madrid am 11. März 2004 auf der Fahndungsliste.
- Im Jahr 2010, mit einem gepflegten Bart und einer NGO-Tarnung, wurde Mahdi al-Harati vom MI6 in die “Freiheits-Flotte” gepflanzt, die auf einer Mission war, humanitäre Hilfe nach Gaza zu liefern.
- Mahdi al-Harati führte die Al-Qaida-Brigade, die in Tripolis im August 2011 das Rixos Hotel erstürmte. Laut Khamis Gaddafi wurde er dabei von französischen Instruktoren betreut.
Laut einer hochrangigen ausländischen militärischen Quelle hatte die NATO al-Harati mit der Ergreifung der libyschen Führungspersönlichkeiten, die in einer geheimen Einrichtung des Hotels untergebracht waren beauftragt, wie auch mit dem Mord am ehemaligen Kongressabgeordnete und Martin Luther King Assistent, Walter Fauntroy, der sich im Hotel aufhielt. Er wollte auch die zwei Voltaire-Network-Mitarbeiter, Thierry Meyssan und Mahdi Darius Nazemroaya beseitigen, die sich im Radisson-Hotel (wo al-Harati schliesslich sein Folter-Center einrichtete) aufhielten. Diese Entscheidungen wurden bei einem geheimen Treffen des NATO-Oberkommandos in Neapel wenige Tage zuvor getroffen. Das Sitzungs-Protokoll erwähnt auch die Anwesenheit von Alain Juppé. Auf Anfrage bestritt dessen Sekretariat jegliche Beteiligung des französischen Außenministers und behauptete, dass Juppé zu dieser Zeit im Urlaub war.
Im Oktober 2011 richtete Mahdi al-Harati in den syrischen Bergen nahe der türkischen Grenze ein Modell-Dorf ein. Zwei Monate lang moderierte er westlichen Reporter und liess sie ein Loblied auf die syrische “Revolution” singen. Das Dorf gehört zu einem Stamm, der dafür bezahlt wurde, Demonstrationen zu inszenieren und für die Presse zu posieren. Al-Harati wurde insbesondere von Paul Moreira von Canal Plus und Edith Bouvier von Le Figaro besucht.
- Abdel Hakim Belhadj ist die rechte Hand von Ayman al-Zawahiri und zur Zeit al-Qaidas Nummer 2. Obwohl offiziell immer noch einer der meistgesuchten Verbrecher der Welt, ernannte ihn die NATO zum Militärgouverneur von Tripolis.
- Abdel Hakim Belhadj besitzt eine Aufenthaltserlaubnis für Katar.
Abdel Hakim Belhadj hat kürzlich mehrere Reisen in die Türkei unternommen, wo ihm auf dem NATO-Stützpunkt in Incirlik ein Büro gegeben wurde, sowie nach Syrien, wo er mehrere Gruppen mit bis zu 1.500 Kämpfern aufstellte. Laut Ayman al-Zawahiri waren es seine Männer, die die Anschläge in Damaskus und Aleppo verübten.
Seine Organisation, die Islamische Kampfgruppe in Libyen (IFGL) hat sich mit Al-Qaida verschmolzen, aber erscheint immer noch auf der Terrorliste des US-State-Department und des britischen Innenministeriums.
Durch diese enge Verbindung zu renommierten Terroristen fällt Conroy in den Wirkungsbereich des Gesetzes sowohl in USA als auch in Großbritannien; und zwar wegen Mittäterschaft oder Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung. Ihm stünden 15 Jahre im Gefängnis bevor, es sei denn, er plädiert auf Immunität als Agent der Krone.
Quelle: voltaire-network
Continue reading about der “Journalist” Paul Conroy ist MI6-Agent
Ein Akt der Solidarität und Gerechtigkeit, den man nie vergessen sollte: im Monat Ramadan des Jahres 2010 schenkte der Bruder Führer Quadhafi dem palästinensischen Volk $ 1.000.000,- in Form von Lebensmitteln.
Libyen heute: eine Flüchtlingsfrau bettelt herzerweichend direkt vor einer Hochschule in Libyen – das Bild eines “neuen Libyens” – zerstört und kolonisiert von der NATO.
Ausbruch der Viehseuche “SAAT 2″ in Libyen offiziell zugegeben!
von John Schacher
Nicolas Sarkozy erhielt bis zu 50 Millionen Euro von Oberst Quadhafi, um seinen Wahlkampf zum Präsidenten von Frankreich zu finanzieren, wurde heute sensationell behauptet.
Außergewöhnliche, in Paris veröffentlichte Beweise sollen belegen, dass die beiden ehemaligen engen Verbündeten eine illegale finanzielle Vereinbarung getroffen hatten, die Herrn Sarkozy im Jahr 2007 an die Macht katapultiert hatte.
Diese Offenbarung liefert tolle Munition für die politischen Gegner des französischen Premier, dessen Flugzeuge die ersten waren, die Quadhafis Hochburgen seit März letzten Jahres bombardierten – und lässt auch die Herzen seiner anderen “Freunde” im Ausland einen Augenblick vor Angst schauern.

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Sarkozy, zusammen mit britischen Premierminister David Cameron, war bereit, es militärisch auch alleine in Libyen zu versuchen – trotz der Nato-Vorbehalte – und schlug schliesslich enormes politisches Kapital aus einem Besuch in dem Land, als Quadhafi im September vertrieben worden war.
Nun wurden diese Regierungs-Briefing-Vermerke von Mediapart, einer enorm angesehenen investigativen Website veröffentlicht. Es stellen sich große Fragen um Sarkozys Motive – und seinen grundlegenden Anstand.
Es gibt Verweise auf zahlreiche Besuche von Sarkozy und seinen Kollegen in Libyen, welche auf die Sicherung ihrer Finanzierung ausgerichtet waren.
Ein Besuch, der in der Notiz als am 6. Oktober 2005 stattgefunden bezeichnet wird, führte zur Bemerkung: “Wahlkampffinanzierung von NS (Nicolas Sarkozy) vollständig gelöst”.
Zu dieser Zeit war Nicolas Sarkozy ein ehrgeiziger Innenminister, der Geld für seinen Präsidentschaftswahlkampf sammelte, doch Bargeld von einem berüchtigten Tyrannen zu nehmen, hätte die politischen Finanzierungs-Gesetze gebrochen.
Mediapart behauptet, dass der Notiz nach 50 Mio. € über Bankkonten in Panama und der Schweiz gewaschen wurden.
Das Schweizer Konto wurde im Namen der Schwester von Jean-Francois Cope, dem Führer von Sarkozys Regierungspartei UMP und des Präsidenten rechte Hand, eröffnet.
Das Geld wurde dann durch einen Waffenhändler namens Ziad Takieddine, der als Mittelsmann zwischen arabischen Despoten und französischen Politikern verwendet wurde, verteilt.
Diese Enthüllungen bestätigen die Vorwürfe von Quadhafis Sohn und ehemaligen Nachfolger, Saif Al-Islam Quadhafi, der im vergangenen Jahr eindeutig sagte, dass Libyen Sarkozys Wahl finanziert hatte.

Saif-al Islam, der jetzt in Libyen nach dem Sturz des Regimes seines Vaters gefangengehalten wird, sagte damals:
“Sarkozy muss zuerst das Geld zurückgeben, das er aus Libyen bekam, um seinen Wahlkampf zu finanzieren. Wir finanzierten es. Wir haben alle Details und sind bereit, alles zu enthüllen. Das erste, was wir wollen dass diese Clowns tun ist, uns das Geld zurück zu geben – es ist das Eigentum des libyschen Volkes. Er erhielt die Unterstützung, damit er ihnen helfen konnte, aber er hat uns enttäuscht. Gebt uns unser Geld zurück. “
Viele Augenbrauen wurden zum ersten Mal hochgezogen, als Oberst Gaddafi Ende 2007 in Paris mit einem Staatsbesuch geehrt wurde. Er wurde als “Brother Leader” vorgestellt und man ließ ihn sogar sein Markenzeichen – das Zelt – neben dem Elysee-Palast aufschlagen.
Die nun belastenden Beweise sind schliesslich durch eine gründliche Untersuchung der Aktivitäten von Ziad Takieddine zutage getreten. Es war Herr Takieddine´s Arzt, Didier Grosskopf, der dem Untersuchungsrichter in Paris gesagt hat, dass er auf vielen der Fahrten nach Libyen teilnahm und dabei Zeuge der Verhandlungen über die Parteienfinanzierung wurde.
Vernommen wurde auch Brice Hortefeux, einer der engsten von Sarkozys Regierungs-Verbündeten, welcher gegenüber Medipart zwar bestätigte, dass die Treffen stattgefunden haben, aber nicht weiter kommentierte, jedoch jegliches eigene Fehlverhalten ausschliesst.
Die angeblich belastenden Schriftstücke, die jetzt in den Händen der französischen Polizei sowie Untersuchungsrichter Renaud Van Ruymbeke sind, waren Mediapart zusammen mit anderen Dokumenten zugespielt worden. Sie umfassen mindestens drei Briefe von Herrn Sarkozy und seinen Kollegen an den libyschen Staatschef alleine aus dem Jahr 2005, sowie Details der “one-on-one Verhandlungen” zwischen Sarkozy und Quadhafi.
Ein weitere Zeugin, die Hinweise in dem wachsenden Skandal gegeben hat, ist die Britin Nicola Johnson, die in eine erbitterte Scheidung von Herrn Takieddine, ihren Mann über 30 Jahre, verwickelt war. Sie behauptet, dass Herr Horfefeux sie in ihrer luxuriösen Pariser Wohnung im Jahr 2005 besuchte, um einen großen Barbetrag von Herrn Takieddine abzuholen. Als Frankreichs Staatschef kann Nicolas Sarkozy strafrechtlich während seiner Amtszeit nicht verfolgt werden. Er wird jedoch wahrscheinlich die Präsidentenwahlen im Mai gegen seine sozialistische Konkurrentin, Francois Hollande, verlieren. Dies würde den Weg ebnen für eine umfassende Untersuchung der Partei-Förderaktivitäten von Sarkozy.
Herr Sarkozy wandte sich bekanntermaßen sofort zu Beginn des arabischen Frühlings gegen seinen “Freund”, Oberst Quadhafi. Französische Jets waren die ersten, die Quadhafis Panzer in einem brutalen Feldzug angriffen, der mit der brutalen Ermordung des libyschen Revolutionsführers endete. Der Elysee-Palast wollte die heutigen Enthüllungen bisher nicht kommentieren.
erschienen bei junge Welt
von Joachim GuilliardUnmittelbar nach der Ermordung des libyschen Staatsoberhaupts, Oberst Muammar Al-Ghaddafi, beendete die NATO am 31. Oktober 2011 die Kampfeinsätze in dem nordafrikanischen Land.
Der »Nationale Übergangsrat«, die in enger Abstimmung mit Washington, Paris und London gebildete Führung des Aufstandes, erklärte das Land offiziell für »befreit« und ersetzte den bisherigen »Exekutivrat« durch eine formelle Interimsregierung.
Doch obwohl Übergangsrat und Interimsregierung mittlerweile von den meisten Ländern als neue Führung Libyens anerkannt werden, haben sie das kriegszerstörte Land keineswegs unter Kontrolle. Der Übergangsrat hatte auch zuvor nie die Führung über den Aufstand. Mit Ausnahme von Bengasi, wo seine Basis lag, bildeten die Aufständischen auf regionaler oder Stammesebene Milizen und Räte, die weitgehend eigenständig operierten. Anerkannt wurde der Übergangsrat von diesen nur in seiner Funktion als Schnittstelle zur Kriegsallianz, die die politische, finanzielle und militärische Unterstützung koordinierte. Der Sturz der alten Regierung führte daher, wie vorauszusehen, zu einem umfassenden Macht- und Führungsvakuum, das nach Ansicht vieler Experten, auch nicht so bald gefüllt werden kann.1 Der Übergangsrat steht nicht nur einem anhaltenden Widerstand Ghaddafi-treuer Kräfte gegenüber sowie dem Unwillen weiter Teile der Bevölkerung, sich den neuen Herren unterzuordnen, die ihnen NATO-Bomben und Zerstörung brachten. Es fehlt ihm auch die Autorität, die verschiedenen Kräfte innerhalb der Anti-Ghaddafi-Koalition hinter sich zu vereinen.
Die bei weitem stärkste Fraktion bilden darin die islamistischen Gruppierungen. Wie in anderen arabischen Ländern, zählt auch in Libyen der örtliche Ableger der Muslimbruderschaft zur am besten organisierten oppositionellen Kraft. Militärisch spielen zudem die Kämpfer der Libyschen Islamischen Kampfgruppen (LIFG), die in Afghanistan und im Irak viel Kampferfahrung erworben haben, eine herausragende Rolle. Ins Gewicht fällt schließlich auch eine Reihe prominenter islamischer Geistliche. An deren Spitze stehen Ali Al-Sallabi, der aktuell als einflußreichste Persönlichkeit Libyens gilt, und Scheich Al-Sadiq Al-Gharyani.
Al-Sallabi lebte bis Februar in Katar und spielte eine wichtige Rolle bei der Versorgung der Rebellen mit Geld und Waffen durch das Scheichtum. Er ist eng verbunden mit Yusuf Al-Qaradawi, dem spirituellen Führer der weltweiten Muslimbruderschaft wie auch mit dem Führer der LIFG, Abdelhakim Belhadsch. Letzterer wiederum kommandiert die stärkste bewaffnete Kraft in der Hauptstadt, den »Tripolis Militärrat«. Dessen Kern, die »Tripolis-Brigaden«, wurde von Katar mit NATO-Hilfe in den Bergen südwestlich der lybischen Hauptstadt aufgebaut, trainiert und mit modernstem Gerät ausgerüstet. Sie gelten als Eliteeinheiten unter den Rebellen.
Aufgeteilt unter Milizen
Die Islamisten dominieren auch den Übergangsrat. Dessen Chef, Exjustizminister Mustafa Abdel Dschalil, steht ihnen nahe und hat früh angekündigt, daß künftig die Scharia wieder Grundlage der Rechtsprechung sein werde. Mit seiner Unterstützung konnte sich der frühere Afghanistan-Kämpfer Belhadsch Ende August auch zum offiziellen »Militärkommandeur« von Tripolis ernennen. Die beiden prominentesten säkularen Führungsmitglieder, die langjährigen US-Bürger Mahmud Dschibril und Ali Tarhouni, die zunächst als Premier- und Finanzminister fungierten, wurden im Herbst aus dem Rat gedrängt. Tarhouni prangerte später den Rat als »nicht repräsentative Elite« an, die sich allein auf ausländisches »Geld, Waffen und Propaganda« stütze.2 Der jetzige Chef der Übergangsregierung, Abdel Rahim el-Kib, lebte zuvor zwar ebenfalls sehr lange in den USA, stand dort aber in engem Kontakt zu religiösen Kreisen.
Diesem Klüngel aus Islamisten, alten Kadern und Exilanten stehen die meisten Milizen und Räte, die sich auf regionaler Basis, auf Stadt- oder Stammesebene gebildet haben, mißtrauisch bis feindlich gegenüber. Sie sind keineswegs bereit, nun die Waffen abzugeben oder sich der Übergangsregierung unterzuordnen. Säkulare Milizen haben als Gegenpol zu Belhadschs Militärrat den »Tripoliser Rat der Revolutionäre« gegründet. Militärisch stärker sind allerdings der »Westliche Militärrat« und die »Brigaden« aus den Aufstandszentren, Misrata und Zintan, die Belhadschs Führung ebenfalls nicht anerkennen. Hinzu kommen noch Hunderte weitere Milizen, die die Hauptstadt und das übrige Land unter sich aufgeteilt haben.









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