Kinderschänder: Interview mit Sachsensumpf-Opfer Mandy Kopp

compact aug13erschienen bei COMPACT – Danke an Jürgen

Interview Therese Ilena Zeis

 

Sie ist das bekannteste Opfer des Sachsensumpfs:
1993 wurde die minderjährige Mandy Kopp aus ihrem Zuhältergefängnis befreit. In COMPACT spricht sie über ihr Leid. Vergewaltigt, gefoltert, verleumdet, verklagt

 

 

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Wie sind Sie in die Zwangsprostitution, dieses Minderjährigen-Bordell, hineingeraten?

Es war so, dass mein Vater 1989 gestorben ist, da war ich zwölf Jahre alt, danach kam die Wende, und dann ist meine Mutter mit mir und meiner Schwester nach Leipzig gezogen. Das Verhältnis zu meiner Mutter war immer schwierig, ich war eher ein PapaKind. Dann hat sie einen neuen Mann kennengelernt, da fingen die Probleme an, dazu kam noch die Pubertät. Deswegen bin ich immer wieder mal abgehauen von zuhause und habe bei Freunden übernachtet. Es gab eine Situation, in der ich zusammen mit einer Freundin weggelaufen bin. Sie war damals 13. Wir waren dann in der Clique, wo wir uns immer aufgehalten haben. Da kam ihr Ex-Freund in Begleitung eines Freundes. Die haben gefragt, warum wir von zuhause weggelaufen sind. Der eine hat gesagt, er würde jemanden kennen, der eine Mädchen-WG hat. Da wären schon ein paar andere Mädchen untergekommen, die von zuhause weggelaufen waren.

Daraufhin hat er ein Treffen organisiert. Da haben wir den Mann kennengelernt, er war sehr freundlich, sehr hilfsbereit, hat uns hoch in die Wohnung gebeten, wo auch schon drei andere Mädchen herumgelaufen sind. Es war eine ganz normale Wohnung. Er hat uns ein bisschen ausgefragt, wollte wissen, warum wir von zuhause weggelaufen sind, war sehr, sehr nett. Später hat er uns was zu trinken angeboten.

Nach dem Getränk wusste ich nichts mehr. Und dann bin ich morgens dort wach geworden, zusammen mit meiner Freundin, wir beide haben nackt auf dem Sofa gelegen. Wir haben gefragt, wo unsere Sachen sind, und darauf haben die Mädels, die schon dort in der Wohnung waren, gesagt, wir sollen anziehen, was da ist. Wir haben dann die Klamotten gesehen. Da hatte ich schon so eine komische Vorahnung und wollte nur noch weg, mit meiner Freundin zusammen. Da kam der Zuhälter. An dem Tag hat er mich das erste Mal vergewaltigt.

Was ist Ihnen widerfahren, während er Sie dort, im Bordell Jasmin, gefangen hielt?

 


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Brutale Vergewaltigungen, andere Demütigungen, Folter, auch psychischer Art… Einmal zum Beispiel hatte ich vor einem Freier, einem sadistischen Politiker, gedroht, ihn und den Zuhälter anzuzeigen, wenn ich entkäme. Nachdem ich deshalb von dem Kunden und einigen Spießgesellen erst grün und blau getreten, dann von jedem mehrmals vergewaltigt worden war, spielten sie «Russisch Roulette»: Ich musste mich wieder hinknien, dann hielten sie mir reihum den Lauf der Pistole an den Kopf und drückten ab. Klick. «Oh, Glück gehabt.» Klick. Ich höre dieses Klicken noch heute. Und ich spüre den kalten Lauf der Waffe an meiner Schläfe. Die Ohnmacht, die innere Erstarrung, die Erleichterung, wenn auf das Klicken nichts weiter folgte als das Gemurmel der Männer. «Du bist dran…» «Wie viel Schuss haben wir noch?» «Na, einer wird schon sitzen.» «Und wenn nicht, dann zerstückeln wir dich und werfen dich den Schweinen zum Fraß vor!» «Auch schön, haha.» Dann war der Freier an der Reihe. Er kam ganz nah an mein Gesicht, packte mich an den Haaren und zog meinen Kopf nach hinten. Dann zischte er leise: «Niemand, hörst du, niemand wagt es ungestraft, mir zu drohen! Hast du das jetzt verstanden?» Er ist Mitglied eines schottischen Geheimbunds, wie ich heute weiß; allein aus diesem Grund wage ich tatsächlich nicht, seine Identität aufzudecken.

Wer waren Ihre anderen Freier?

Unterschiedlich. Es gab einmal die Laufkundschaft. Das waren Leute, die über Taxifahrer angeworben und ins Jasmin gebracht wurden. Denen gegenüber mussten wir sagen, dass wir 18 sind, der Zuhälter bestand darauf. Und eben Stammkunden, die Bescheid wussten. Unter anderem auch «feinere Herrschaften», Geschäftsleute.

Konnten Sie von diesen Leuten jemanden identifizieren?

Ja. Ich habe im Jahr 2000, bei einer polizeilichen Vernehmung, Identifizierungen vorgenommen – darunter waren dieselben Personen, die ich auch 2008 bei der Staatsanwaltschaft Dresden identifiziert habe. Zum Beispiel habe ich 2008 diese beiden Juristen, darunter den für die milden Urteile verantwortlichen Richter Jürgen Niemeyer, als Freier identifiziert. Die haben mich dann später wegen Verleumdung verklagt. Das Verfahren gegen Richter Niemeyer wegen Strafvereitelung wurde eingestellt.

Hier der Inhalt aus dem COMPACT-Dossier in der aktuellen Ausgabe 8/2013 im einzelnen:

COMPACT 8/2013: DOSSIER Netzwerk der Kinderschänder

  • Dutroux ist kein Einzelfall.
    Von Therese Ilena Zeis
  • O-Ton: Täter werden geschützt.
    Von Laurent Louis
  • Natascha Kampusch: Der rätselhafte Tod des Chefermittlers.
    Von Guido Grandt/Udo Schulze
  • Im Sachsensumpf: Vergewaltigt, gefoltert, verleumdet, verklagt.
    Interview mit dem Opfer Mandy Kopp
  • Sachsensumpf und Staatsapparat: Eine eingebildete Verschwörung?
    Von Jürgen Roth

Das vollständige Inhaltsverzeichnis von COMPACT 8/2013 findest Du hier.

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Ein Gedanke zu „Kinderschänder: Interview mit Sachsensumpf-Opfer Mandy Kopp

  1. vom Tage zum Thema:

    Galván war 2011 in Marokko wegen Vergewaltigung von elf Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 4 und 15 Jahren zu 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er hatte seine Taten auch gefilmt und die Filme verkauft. Nach eineinhalb Jahren hinter Gittern war er am Mittwoch im Rahmen einer Amnestie des Königs für 1044 Häftlinge anlässlich des 14. Jahrestags der Thronbesteigung auf freien Fuß gesetzt worden.

    http://www.faz.net/aktuell/politik/begnadigung-aufgehoben-spanischer-kinderschaender-in-murcia-festgenommen-12398557.html

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