von John Schacher

In Benghazi haben heute wie angekündigt erste öffentliche Erklärungen zu einer beabsichtigten Loslösung des libyschen Ostens stattgefunden. Zahlreiche Stammesführer und tausende Milizen versammelten sich hierzu in Benghazi. Ahmed al-Zubair Ahmed, ein politischer Gefangener unter Quadhafi (?) und Mitglied des NTC wurde lt. Al-Jazeera vom östlichen Kongress zum Leiter des Regierungsrates bestimmt. Der neue (Bundes-)Staat soll sich von der ägyptischen Grenze bis nach Sirte erstrecken. Der inzwischen nach Tripolis umgezogene NTC lehnt diesen Vorstoß des Ostens natürlich entschieden ab. Neuer Krieg droht.

RT berichtet, dass die östliche Partei bereits ihre eigenen Streikräfte aufgestellt hätte, das “Barqa Supreme Military Council”, welches unabhängig vom NTC agieren soll. Die Armee besteht aus Rebellen-Kämpfern des Krieges gegen Muammar Al-Quadhafi vom letzten Jahr. Die Truppen ständen bereit, für die Unabhängigkeit des Ostens zu kämpfen, bekräftigt “Barqa”-Kommandeur Col. Hamid Al-Hassi:

“Sogar wenn wir die Ölfelder mit Gewalt übernehmen müssen oder einen neuerlichen Krieg riskieren: wir werden für das Wohl von Barqa vor nichts zögern,” (Hassi zur Associated Press)

BHL 2011 mit den Köpfen der Teilung 2012 - Bild: LibyaSOS

Noch immer ist unklar, wie viele Bewohner der Ostens die Idee einer Teilung wirklich unterstützen. Während etwa 5000 Personen an der Zeremonie des “Congress of the People of Cyrenaica” teilgenommen hatten, kam es am Montag in Benghazi gleichzeitig zu Protestversammlungen von mehreren tausend Leuten.

Barqa sucht nach eigenen Angaben einen friedlichen Weg, um Tripolis und den NTC zu einer Anerkennung der östlichen Autonomie zu bewegen. Dabei wird auch ein Gang vor die UN nicht ausgeschlossen.

Die Ursachen der gegenwärtigen Bewegung sind im neuen Wahlrecht zu finden, das der NTC ausgebracht hatte: für das ölreiche östliche Libyen waren im Parlament von 200 Sitzen nur 60 vorgesehen, während die westliche Region um Tripolis ganze 102 Sitze (und damit vorab die absolute Mehrheit) erhalten soll. Der “Congress of the People of Cyrenaica” hat diesen letzten diskriminierenden Entwurf entschieden abgelehnt.

Fazit: Seit Monaten gerüchteweise angekündigt, überrascht uns diese Entwicklung natürlich wenig. Es scheint, als böte sich der NATO nun ein Weg, die Probleme in Libyen auf jene innerhalb der Ölgebiete zu reduzieren, was ein entscheidender Kosten- und PR-Vorteil wäre. Den ölreiche Osten zu sichern und militärisch wie politisch zu unterwerfen ist einfach nur die halbe Arbeit. Jetzt muss der NATO-NTC nur noch die Probleme im Westen ordentlich anheizen – und alle Geschehnisse im Osten gehen dabei unter, die Reste libyschen Volksvermögens weiter still und heimlich ihren Weg in die Taschen und Tanks der Eroberer. Die NATO-Nutzniesser müssen sich im Fall der Teilung Libyens nicht mehr mit dem Problem der Misrata-, Zintan-, oder anderer West-Brigaden herumschlagen: die wären so nur noch ein Problem für die Rest-Libyer selbst und sorgen weiter für die nötige Verwirrung bei der weltweiten Berichterstattung…

Einen “Bundesstaat” nach schweizerischen oder deutschem Vorbild zu errichten, wie Beteiligte ihr Begehr definieren, ist unmöglich, da hierfür eine politische Disziplin notwendig wäre, die in Libyen sicher nicht herstellbar ist. Wenn absolut nirgends die Bereitschaft gegeben ist, sich einer Zentralmacht unterzuordnen, was soll dann eine Bundesregierung? Wie sollen so jemals landesweit gültige Entschlüsse gefasst werden?

Hier ein (leider arabischer) TV-Bericht zum Ereignis. Bei 0:12 min spricht die Moderatorin internationalen Klartext, den auch Sie verstehen werden:


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3 Comments to “Libyen: Teilungspläne schreiten voran”

  1. Wolke sagt:

    Sehr bedauerlich, aber entsprechend der von außen ins Land getragenen Gewalt wahrscheinlich unvermeidlich: Teile und Herrsche in Reinform. Es wird schwierig sein, solche geschaffenen Tatsachen rückgängig zu machen. Zumindest so lange die Westmächte weiterhin dort anwesend sind. Als Vorbild vielleicht Vietnam: Das hat sich erst nach dem vollständigen US-Abzug langsam erholt, und ist auch nicht mehr geteilt.

    Das einzige, was bei den Libyen-Plänen des Westens nicht so recht geklappt hat, war ganz offenkundig der Zeitplan. Libyen sollte gemäß den anfangs verkündeten Parolen eigentlich schon wenige Wochen nach Kriegsausbruch kapitulieren. Die Einigkeit und Wehrhaftigkeit der tapferen Libyer war also größer als angenommen, daher ist ein Verzug von schätzungsweise mehr als einem halben Jahr entstanden.

    Es war unübersehbar, dass sofort nach dem 20. Oktober Syrien mit Kraft in die Presse gehievt wurde, ein Thema, das die ganze Zeit in Hintergrund auf kleiner Flamme gewartet hatte. Aber auch dort geht es nicht voran.

    Und für den Iran müssen sie auch noch einen überzeugenden Kriegsgrund finden, aber eine richtig überzeugende False Flag Aktion ist heutzutage schwierig…

    Irgendwie klappen die Kriegspläne nicht alle nach Plan. Und wenn die Kriegspläne mit den Witschaftscrash abgestimmt werden, damit überall gleichzeitig das Chaos losbrechen soll (wie ich vermute), dann fällt auf: Der Griechenland-Default ist seit Wochen überfällig und wird unübersehbar künstlich verschleppt. Weil Libyen so lange gedauert hat, und die Syrien- und Iran-Kriegspläne nicht so recht klappen wollen?

    Wenn also die tapferen Libyer die NWO-Zeitpläne ins Wanken gebracht haben, dann ist das ein Trost, wenn auch nur ein Geringer.

  2. Beobachter sagt:

    Die Auflösung der heutigen arabischen und afrikanischen Nationalstaaten und die territoriale Neuaufteilung der Regionen zugunsten neuer, schwächerer Staaten folgt einem historischen Vorbild: die Zerstörung des Osmanischen Reiches und die “Balkanisierung” Mittel- und Südosteuropas vor und nach dem 1. Weltkrieg.
    Darüber berichtet diese Vorstellung des imperialistisch-zionistischen “Yinon-Plan”:

    Der Plan der City of London für Afrika und den Nahen und Mittleren Osten
    http://www.politaia.org/iran/d.....ren-osten/

    Tatsächlich sind gerade in den letzten zwei Jahrzehnten (also nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und dem Ende der “Stellvertreterkriege”) zahlreiche arabische, (nord-)afrikanische u.a. Staaten von Aussen destabilisiert und unregierbar gemacht worden, sie sind inzwischen territorial zersplittert, oder sie drohen gegenwärtig auseinanderzufallen: Tschad, Äthiopien (Eritrea), Kongo, Irak, Afghanistan, Sudan, Libyen, Nigeria.
    Dazu ein anschaulicher, sehr lesenswerter Artikel (leider nicht im besten Deutsch) zur Problematik des Sudan:
    Die Balkanisierung der Sudan und Nord Afrika
    (Global Research)
    http://www.globalresearch.ca/i.....;aid=24233

    Im Falle Libanon und – jetzt – Syrien sind die Versuche vorerst gescheitert.
    In Somalia greift eine ganz neue Variante der Beseitigung der alten Staatsmacht: die permanente staatliche Desorganisation. Ein Beispiel, das vielleicht auch den Libyern droht.
    Als nächste könnten Ägypten und Algerien “auf der Agenda” stehen. “In Arbeit” befindet sich auch schon Pakistan, und das ganz große Ziel ist wohl der Iran.

    So gesehen ist der Yinon-Plan (oder verwandte Geheimpläne der US-Administration) zutreffend umschrieben.

    Ich fürchte die Zukunft aller Libyer wird grau sein.

    Ein grüner Kanal bei youtube:
    http://www.youtube.com/user/MutasimGaddafi

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